Im Raum Karlsbad im Landkreis Karlsruhe betreut „raum in form – Innenarchitektur & Architektur“ derzeit den Umbau und die Modernisierung eines großzügigen Wohn- und Geschäftshauses aus dem Jahr 1989. Das Gebäude in Hanglage mit unverbaubarem Blick ins Tal umfasst rund 400 m² Wohn- und Bürofläche und vereinte bislang vier Einheiten unter einem Dach: Während Obergeschoss und Dachgeschoss als Hauptwohnung dienten, gab es in den darunterliegenden Geschossen verschiedene Büroeinheiten sowie in dem im Souterrain liegenden Tiefparterre große Lagerflächen. Bedingt durch die Hanglage ist das Kellergeschoss auf der Gartenseite ebenerdig erschlossen, zur Straße hin liegt ein Vorgarten, hinter dem Haus ein größerer, ansteigender Garten. Ziel der Planung ist die Umwandlung in ein zeitgemäßes Zweifamilienhaus mit zwei eigenständigen großen Wohneinheiten.
Ausgangssituation und Zielsetzung
Die Bauherren – zwei Familien – wünschten sich im Rahmen der Neukonzeption des Objekts eine große Wohnung im Erdgeschoss sowie eine Maisonettewohnung im Ober- und Dachgeschoss. Die bisherige Gewerbefläche entfällt weitgehend, lediglich ein Büro pro Wohneinheit bleibt für das Arbeiten im Homeoffice erhalten. Ein zentrales Anliegen war zudem die langfristige Flexibilität: Insbesondere das Kellergeschoss sollte so organisiert werden, dass die ehemaligen Lager- und Nebenflächen zunächst gemeinsam genutzt werden können, bei einem späteren evtl. Verkauf oder einer Vermietung einer Einheit jedoch auch sinnvoll aufgeteilt und den beiden Wohneinheiten zugeordnet werden können.
Im Rahmen der Neukonzeption des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses wird im Zuge des Umbaus und der Modernisierung u. a. eine neue Fußbodenheizung eingebracht, Bäder und Küchen werden erneuert, die Elektroinstallation wird umfassend modernisiert und als “Smart- Home” konzipiert. Die bislang über das geamte Haus verteilte Haustechnik wird künftig gebündelt im Kellergeschoss untergebracht. Das raum in form- Projektteam rund um die Innenarchitektin Kerstin Bertz-Helmbrecht entwickelte auf dieser Grundlage zunächst zwei unterschiedliche Konzeptvarianten für sämtliche Innen- und Außenräume, die den Bauherren in einer ausführlichen mehrstündigen Konzeptbesprechung vorgestellt wurden.
Konzeptvariante 1: Großzügige Wohnbereiche und durchdachte Zonierung
Im Kellergeschoss entsteht u. a. ein großer, gemeinsamer Waschraum für beide Parteien – praktischerweise an der Stelle, an der die Wasseranschlüsse bereits vorhanden sind. Zwei gleich große Lagerflächen mit kleinem Vorflur, abgetrennt durch Trockenbau- oder Gitterwände, lassen sich den Wohneinheiten individuell zuordnen. Zwei bisherige Lagerräume werden zu einem großen Technikraum zusammengelegt. Da in den ehemaligen Büroräumen bereits eine Fußbodenheizung vorhanden ist, bietet sich hier ein beheizter Gemeinschafts- und Hobbyraum an. Ergänzt wird das Raumprogramm durch einen großen Fitnessraum mit Zugang zum Garten.
Im Erdgeschoss gelangt man über einen großzügigen Flur mit Garderobe und Gartenaustritt in den Wohnbereich. Das gartenseitige Wohnzimmer erhält anstelle eines im Bestand vorhandenen Brüstungsfensters eine neue Terrassentür, für die die Kellertreppe teilweise überbaut wird. Die Küche verfügt über eine Vorratskammer, deren Wand von raumhohen Küchenschränken gebildet wird, so dass keine Fläche durch eine zusätzliche Trennwand verloren geht. Ein Lichtband in der Wand zum Büro bringt Tageslicht von der Straßenseite in die Küche, eine Frühstücksbar schafft zusätzliche Arbeitsfläche und einen kommunikativen Treffpunkt. Im Essbereich ist Platz für einen großen, ausziehbaren Tisch für gemeinsame Familienessen. Eine besondere Herausforderung stellten die bestehenden Stützen und Träger dar, die aus statischen Gründen erhalten bleiben müssen und in die Planung integriert wurden. Im privaten Bereich liegt das Schlafzimmer geschützt in der Gebäudemitte, abgewandt von der Straße. Zwei gläserne Schiebetüren zum Bad sorgen für Querlüftung und Tageslicht; das Bad selbst bietet eine geräumige Dusche mit zwei Duschköpfen und ein separates WC.
Im Obergeschoss wird der bestehende Vorbereich vor der Wohnungstür zu einer Garderobe für Schuhe und Kleidung- auch das zukünftige Home-Office liegt vor der eigentlichen Maisonette-Wohnung und ermöglicht so ungestörtes Arbeiten. Ein Gästezimmer mit Einbauschrank und eigenem Gästebad bietet bei längeren Familienbesuchen einen Rückzugsort. Der offene Wohn-, Ess- und Kochbereich bleibt bewusst frei von Einbauten: Statt einer Vorratskammer ist großzügiger Stauraum in der Küche vorgesehen. Das Wohnzimmer kommt – auf ausdrücklichen Wunsch der Bauherren– ohne Fernseher aus- eine Spielnische mit Falttür lässt Spielzeug der Kinder am Abend einfach “verschwinden”. Der gartenseitige bereits vorhandene Balkon wird um eine neue Treppe in den Garten erweitert.
Im Dachgeschoss bleibt der Grundriss weitgehend bestehen- durch den Rückbau einer Trockenbauwand wird aus dem bisherigen WC jedoch ein vollwertiges Kinderbad. Dem Masterschlafzimmer ist eine Ankleide zugeordnet, die über einen neuen Durchbruch direkt mit dem Bad verbunden wird. Dort trennt eine T-Wand das WC von einer bodengleichen Dusche unter dem Dachflächenfenster- Doppelwaschtisch und Badewanne in der Dachschräge ergänzen das Bad.
Das Außenraumkonzept sieht straßenseitig einen Carport mit zwei Stellplätzen, integrierte Mülltonnenstellplätze, einen Fahrradschuppen sowie eine neue Heckeneinfassung vor. Gartenseitig wird die Terrasse erweitert und über eine Terrassierung an das ansteigende Gelände angebunden.
Konzeptvariante 2: Klare Zuordnung und alternative Raumfolgen
Im Kellergeschoss bleibt der gemeinsame Waschraum erhalten. Über vorhandene Anschlüsse entsteht zusätzlich ein kleines WC, das vom Fitnessraum aus erreichbar ist. Die Lagerflächen werden neu geordnet: ein Lager straßenseitig für die erste, ein größeres im hinteren Bereich für die zweite Wohneinheit, dem das Gartenlager an der Außentreppe vorgelagert ist.
Im Erdgeschoss führt ein großzügiger Eingangsbereich zu einem Gäste-WC und einer neuen Ankleide. Der Wohnbereich liegt mit eigenem Gartenzugang zur Gartenseite, zur Straße hin eine große Küche mit Essbereich und einer kleinen Vorratskammer um den alten Kaminschacht. Das runde Fenster im Büro wird durch ein rechteckiges ersetzt. Im privaten Bereich sind Schlafzimmer und Bad an der Fassade angeordnet, die Ankleide in der Gebäudemitte – so erhalten die Räume mit dem größten Bedarf an Licht und Lüftung ein Fenster.
Im Obergeschoss werden Küche und Wohnbereich getauscht: Die großzügige Küche mit großem Esstisch orientiert sich zur Terrasse, die Spielecke wandert in den Wohnbereich. Der Balkon wird mithilfe einer zusätzlichen Stütze seitlich vergrößert, eine Wendeltreppe ersetzt die gerade Treppe in den Garten. Im Dachgeschoss werden die Kinderzimmer in ihrer Größe angeglichen und im Masterbad finden Badewanne und großzügige Dusche unter der Dachschräge Platz, die Badewanne wurde direkt unter dem Dachfenster platziert.
Im Außenraum werden die Mülltonnen in einer Einhausung an der Straße angeordnet, die Fahrräder finden hinter dem zukünftigen Carport Platz. Gartenseitig entstehen eine große Terrasse, ein Grillplatz und ein Kinderspielhaus – die Terrasse ist der Erdgeschosswohnung, der Garten der oberen Wohnung zugeordnet.
Das Finalkonzept
Nach der ausführlichen mehrstündigen Konzeptvorstellung und einem weiteren Abstimmungstermin mit den Bauherren wurde das Finalkonzept ausgearbeitet.
Im Kellergeschoss wird die Waschküche mit einem kleinen WC kombiniert, das – ohne Durchbruch einer tragenden Wand – von der Waschküche aus erschlossen wird. Der Fitnessraum erhält den großen Raum direkt am Flur und fällt damit größer aus als in den beiden ersten Konzept-Varianten. Das Lager bleibt zunächst ein zusammenhängender Raum und kann bei Bedarf später durch eine Trockenbauwand geteilt werden.
Das Erdgeschoss unterscheidet sich deutlich von beiden Entwürfen: Sämtliche nicht tragenden Wände werden zurückgebaut, lediglich Stützen, Träger und ein kurzes Stück tragender Wand bleiben bestehen. Auf eine kleine Garderobe mit integriertem Schrank folgen das Gäste-WC und der Essbereich in direkter Nähe zu Gartenaustritt und Terrasse. Ein großzügiger Vorratsraum und eine L-förmige Küche liegen zur Straßenseite – eine bewusste Entscheidung der Bauherren, abgestimmt auf Sonnenverlauf, Tagesablauf und die Topografie des ansteigenden Gartens. Das Büro erhält anstelle des runden Fensters einen großzügigen französischen Balkon. Im privaten Bereich ersetzt eine großzügige Dusche die Variante mit zwei Duschköpfen, das WC wird nur noch durch eine kurze Schamwand abgetrennt – für einen offeneren, fließenden Grundriss.
Das Obergeschoss basiert auf Konzeptvariante 2 mit versetzter Wohnungstür, mittiger Garderobe, Büro zur Straße und Gästezimmer zum Garten. Anstelle der Spielecke entsteht eine Speisekammer, die über eine Schranktür in der Küchenfront betreten wird und sich so nahtlos in die Küche einfügt. Das Dachgeschoss folgt Konzeptvariante 1- im Masterbad erhalten die Trennwände zu WC und Waschtisch Oberlichter oder enden unterhalb der Decke, sodass beide Bereiche Tageslicht vom Dachflächenfenster erhalten.
Im Außenraum musste ein vorhandener Verteilerkasten an der Straße berücksichtigt werden- der Carport wurde daher zurückgesetzt, verlängert und mit versetzten Stellplätzen geplant, sodass zwei Fahrzeuge unabhängig voneinander ein- und ausparken können. Ein bis zur Haustür verlängertes Vordach sorgt dafür, dass man trockenen Fußes ins Haus gelangt. Gartenseitig wird der Lichthof verkleinert und mit einem begehbaren Gitter überdeckt.
Das Beleuchtungskonzept
Auf Grundlage des Finalkonzepts entwickelte raum in form ein Beleuchtungskonzept für alle Geschosse. Bewusst wurde eine große Vielfalt an Leuchten eingeplant, sodass die Bauherren Lösungen, die ihnen gefallen, auch geschossübergreifend übernehmen können.
Im Kellergeschoss werden vorhandene Auslässe weitgehend genutzt und durch Aufbauleuchten und schwenkbare Spots ergänzt; der Gemeinschaftsraum erhält eine indirekte Beleuchtung, die ihn je nach späterer Nutzung auch als Partyraum in Szene setzt.
Eine besondere Herausforderung stellte das Erdgeschoss mit einer Raumhöhe von nur rund 2,50 m dar: Abgehängte Decken und damit Einbauspots sind hier nicht möglich, Leitungen können nicht in die Bestandsdecke gefräst werden. Die Lösung sind flexible Schienensysteme in Garderobe, Flur und Küche, an denen Spots, Lichtbänder und Pendelleuchten frei positioniert werden können. Über dem ausziehbaren Esstisch sorgt eine schwenkbare Leuchte für Flexibilität, im Wohnzimmer streift ein deckennahes, indirektes Lichtband die Wand entlang. Die erhaltenen Bestandsträger werden mit LED-Stripes betont und so zum gestalterischen Element. Nur im Bad kommt eine minimale Abhängung mit Einbauspots zum Einsatz, ergänzt durch zwei Pendelleuchten am Waschtisch.
Im Obergeschoss ermöglicht eine abgehängte Decke klar fluchtende Einbauspots, die Küche und Flur optisch miteinander verbinden. Pendelleuchten ersetzen im Gästezimmer platzsparend die Nachttischleuchten- eine Bildbeleuchtung wird gemeinsam mit den Bauherren aktiv in das Konzept einbezogen. Im Dachgeschoss erlaubt ein abgehängtes Schienensystem im bis zum First offenen Flur das bequeme Wechseln der Leuchtmittel; Wandleuchten mit Bewegungsmeldern dienen als sanftes Nachtlicht auf dem Weg zu den Kinderzimmern.
Ausblick
Gemeinsam mit dem Beleuchtungskonzept wurden bereits die Ausführungsplanungen für die in Kürze beginnenden Abbruch-, Rohbau- und Trockenbauarbeiten erstellt. Im nächsten Schritt holt das Projektteam von „raum in form – Innenarchitektur & Architektur“ die Angebote für diese Gewerke ein und erarbeitet die Ausführungsplanungen für Elektro und Sanitär, für die das Final- und Beleuchtungskonzept die Grundlage bildet. Zeitnah erfolgt zudem eine Bauteilöffnung im Erd- und Kellergeschoss, um den genauen Fußbodenaufbau für die neue Fußbodenheizung bei der begrenzten Raumhöhe festzulegen.